Die Wahrnehmung im Zentrum
Die ehemals geheime Lehre einer bedeutenden japanischen Schwertschule bestand aus einem kurzen Gedicht. Es handelt vom Mond, von rasch sich bewegenden Wolken und um deren verzögerungsfreie Spiegelung in einem stillen Gewässer. Vierhundert Jahre später zeigt die Wissenschaft auf, dass unser Wahrnehmen tatsächlich auf einem Spiegelgeschehen basiert und dass dieses unsere Bewegung steuert. Es existiert also keine Trennung zwischen dem Wahrnehmen und dem Handeln. Unser Wahrnehmen ist naturgemäß still, sofern es nicht durch die Rastlosigkeit des Verstandes irritiert ist. Das erhebt stilles Wahrnehmen zum natürlichen Zentrum der Kampfkunst und macht das Bewegende zum Zentrum unseres Aikido.
Unser Leben selbst kann in abstrakten Inhalten nicht in Erscheinung treten, die abstrakten Inhalte aber sehr wohl im Leben. Im Aikido geht es also nicht um die Illusion einer vollkommenen Balance im Physischen, sondern um eine umfassende Balance im Leben. Das macht unseren Alltag zum Dojo. Der geistige Aspekt des Aikido ist demgemäß von einfacher Natur: Nutze alle Deine Sinne, in jedem Augenblick.
© Gerhard Walter
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